Rückblick auf unsere Studienvorstellung – Was passiert, wenn Verwaltung aufhört, Lösungen mehrfach zu bauen?

Deutlich wurde: Digitalisierung bleibt ein Teamsport. Alle, die in der Verwaltung arbeiten, sind Teil des „Team Staat“. Damit Nachnutzung in der Praxis funktioniert, muss sie von allen mitgedacht und aktiv umgesetzt werden. Ein zentraler Hebel dafür ist Verbindlichkeit: Zunächst sollte immer geprüft werden, welche Lösungen – ob technisch oder nicht-technisch (wie bspw. Methoden oder Konzepte) – bereits existieren.

Um vorhandene Lösungen sichtbar zu machen, spielen geeignete Plattformen eine wichtige Rolle. Ebenso entscheidend ist es, Verwaltungsangebote durch passende Kommunikationsmaßnahmen zu begleiten. Denn ohne diese geschieht die Nachnutzung häufig eher zufällig als systematisch.

Alle Ergebnisse können hier nachgelesen werden

 

Wir haben uns besonders über die positiven Rückmeldungen zur Studie gefreut. Hervorgehoben wurde, dass sie mehr Transparenz darüber schafft, welche Ansätze zur Nachnutzung bereits existieren und wie diese umgesetzt werden. Diese Transparenz ist eine wichtige Grundlage, um gezielt nachsteuern zu können. Denn darin herrschte große Einigkeit: Steuerung ist ein zentraler Erfolgsfaktor für gelingende Nachnutzung.

Ein großer Dank gilt unseren Panelist:innen Ralph Brinkhaus, Dr. Dominik Böllhoff, André Göbel, Zehra Öztürk und Martina Nolte, M. A., für die offene und vielfältige Diskussion. Ebenso danken wir unserem Vorstandsmitglied Dr. Astrid Schumacher, die in den Abend eingeleitet hat, sowie unserer Geschäftsführerin Ann Cathrin Riedel für die Moderation des Abends. Unser Dank geht auch an das Team der Geschäftsstelle für die Organisation der Veranstaltung sowie an alle Gäste für ihr Interesse und den Austausch.

Die Studie wurde durch eine Förderung des IT-Planungsrats in Zusammenarbeit mit der FITKO (Föderale IT-Kooperation) ermöglicht.

Mehr zur Studie sowie die vollständige Publikation im Bericht

  

Fotos: Henrik Andree

Publikation: Nachnutzung in der öffentlichen Verwaltung

Nachnutzung in der Verwaltung bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück

Nachnutzung in der öffentlichen Verwaltung gilt als zentraler Hebel, um die Digitalisierung schneller, effizienter und ressourcenschonender umzusetzen. Unsere neue Studie zeigt jedoch: Obwohl die Wiederverwendung und gemeinsame Nutzung bestehender Lösungen von der Mehrheit der Verwaltungsmitarbeitenden als wichtig eingeschätzt wird, bleibt sie in der Praxis häufig hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Auf Basis von 33 qualitativen Interviews sowie einer Befragung von 547 Beschäftigten im öffentlichen Sektor liefert sie erstmals eine umfassende empirische Bestandsaufnahme darüber, wie Nachnutzung in der Praxis funktioniert, welche Hürden bestehen und welche Potenziale bislang ungenutzt bleiben.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass Nachnutzung häufig jenseits formaler Programme entsteht – etwa durch persönliche Netzwerke, direkten Austausch oder bestehende Kontakte zwischen Verwaltungen. Gleichzeitig zeigt sich, dass die strukturellen Rahmenbedingungen oft nicht ausreichend darauf ausgerichtet sind, Nachnutzung systematisch zu fördern.

Zentrale Herausforderungen liegen in der Auffindbarkeit und Vergleichbarkeit bestehender Lösungen, in einer fragmentierten Plattformlandschaft und in komplexen organisatorischen sowie rechtlichen Rahmenbedingungen. Auch fehlende strategische Steuerung, unklare Zuständigkeiten und begrenzte Interoperabilität erschweren die Übertragung und Weiterverwendung digitaler Lösungen. Zudem wird die Nachnutzbarkeit bei der Entwicklung neuer Anwendungen häufig noch nicht konsequent berücksichtigt.

Gleichzeitig identifiziert die Studie zentrale Ansatzpunkte, um Nachnutzung in der öffentlichen Verwaltung strukturell zu stärken. Die Ergebnisse zeigen vor allem bei der Steuerung auf Bundes- und Länderebene sowie bei der Finanzierung Handlungsbedarf: Viele Lösungen entstehen im Projektkontext, ohne dass ihr Betrieb langfristig gesichert ist. Gefragt sind daher stärker Ende-zu-Ende gedachte, nachhaltig betriebene und leicht integrierbare Lösungen. Zudem braucht es den Ausbau zentraler Infrastrukturen: Einheitliche Basisdienste und Komponenten von Bund und Ländern können die Integration neuer Lösungen erleichtern und den Anpassungsaufwand deutlich reduzieren. Aber auch die Verwaltungsmitarbeitenden selbst sind gefragt: Ein maßgeblicher Hebel liegt darin, Nachnutzung im eigenen Arbeitskontext frühzeitig mitzudenken und aktiv zu berücksichtigen – sowohl bei neuen Vorhaben als auch bei der Auswahl und Einführung bestehender Ansätze.

Jetzt die Publikation lesen und erfahren, wie Nachnutzung die Verwaltung effizienter und zukunftsfähiger machen kann.

Hier geht es zur Publikation

Studienvorstellung „Nachnutzung in der öffentlichen Verwaltung“ am 15. April 2026

Wie gut funktioniert Nachnutzung in der öffentlichen Verwaltung wirklich und was braucht es, damit sie vom Einzelfall zur strukturellen Praxis wird?

Diesen Fragen sind wir in unserer Studie „Nachnutzung in der öffentlichen Verwaltung – Praxis, Hindernisse und Potenziale der Wiederverwendung und gemeinsamen Nutzung von Lösungen“ nachgegangen. Damit legen wir erstmals eine systematische empirische Bestandsaufnahme vor, die auf 33 Expert:innen-Interviews und einer Befragung von 547 Verwaltungsmitarbeitenden basiert.

Die Befunde zeigen: Die Bereitschaft zur Nachnutzung ist in der öffentlichen Verwaltung vorhanden. Was jedoch fehlt, sind verlässliche Rahmenbedingungen in der Finanzierung, den Strukturen und der Steuerung.

Für NExT ist diese Studie mehr als nur eine Bestandsaufnahme. Die Debatten über die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung werden häufig aus der Vogelperspektive geführt – in Ausschüssen, Strategiepapieren und politischen Programmen. Was dabei oft fehlt, ist die Perspektive derjenigen, die die Digitalisierung jeden Tag umsetzen: die Verwaltungsmitarbeitenden selbst.

Um die gewonnenen Erkenntnisse direkt zu vertiefen, laden wir zur Diskussion mit Expert:innen aus Verwaltung, Politik und Praxis ein.

Das Programm der Veranstaltung am 15. April 2026 sieht wie folgt aus:

  • ab 18:00 Uhr – Einlass
  • 18:30 Uhr – Begrüßung durch Dr. Astrid Schumacher, Mitglied des Vorstands NExT e.V.
  • 18:40 Uhr – Vorstellung der Studienergebnisse, Theresa Amberger, Head of Research, NExT e.V.
  • 19:00 Uhr – Podiumsdiskussion, Moderation Ann Cathrin Riedel, Geschäftsführerin NExT e.V. – mit: Ralph Brinkhaus MdB (Sprecher und Vorsitzender der AG Staatsmodernisierung, Fraktion CDU/CSU im Deutschen Bundestag), Dr. Dominik Böllhoff (Leiter Abteilung Staatsmodernisierung, BMDS), Dr. André Göbel (Präsident, FITKO), Zehra Öztürk (Komm. Leiterin Steuerung Fachverfahren und neue Technologien, Senatskanzlei Hamburg; Co-Initiatorin Ko-Pionier-Preis), Martina Nolte (Teamleiterin eGovernment, Stadt Mönchengladbach; Mitglied des Vorstands, NExT e.V.)
  • 19:45 Uhr – Fragen aus dem Publikum
  • 20:15 Uhr – Ausklang bei Getränken und Finger-Food

Die Veranstaltung ist öffentlich und richtet sich an Interessierte aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Da die Plätze begrenzt sind, wird eine zeitige Anmeldung empfohlen.

Hier geht’s zur Anmeldung für die Studienvorstellung