Gastbeitrag zum GovImpact Policy Paper

 

Was bringt digitale Transformation im Staat wirklich? Statt auf Kürzungen oder KI-Quickfixes zu setzen, müsse Verwaltung ihre IT grundlegend modernisieren und den Mehrwert konsequent messen.

Im Gastbeitrag im Tagesspiegel Background argumentieren Ann Cathrin Riedel (Geschäftsführerin von NExT e.V.) und Joshua Pacheco vom DigitalService des Bundes, dass staatliche Digitalisierung nicht an kurzfristigen Einsparungen gemessen werden darf.

Statt schneller Sparmaßnahmen oder isolierter KI-Lösungen brauche es eine grundlegende Modernisierung von IT-Systemen und Prozessen. Stattdessen brauche es moderne, nutzerzentrierte IT-Strukturen und eine strategische Betrachtung der sogenannten „Digitalrendite“  also des langfristigen Mehrwerts digitaler Transformation für Effizienz, Servicequalität und Vertrauen in staatliches Handeln.

 

 

Joshua Pacheco und Ann Cathrin Riedel plädieren dafür, die „Digitalrendite“ endlich zum Maßstab staatlicher Digitalisierung zu machen.

NExT sucht ab sofort zwei Werkstudent:innen in Berlin.

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Workshop zur Wirtschaftlichkeits­betrachtung in Frankfurt am Main

BHO Workshop FFM

Am Mittwoch, den 4. Februar 2026, trafen sich Verwaltungsmitarbeitende aus 15 Verwaltungsorganisationen unterschiedlicher föderaler Ebenen in den Räumlichkeiten der FITKO in Frankfurt zum zweiten Workshop des Projekts „Für digitaltaugliche Verwaltungsvorschriften von morgen: Mit Beteiligung modernes Recht für die digitale Transformation schaffen“. Das Projekt ist Teil der föderalen Digitalstrategie des IT-Planungsrates und dort im Schwerpunktthema Digitale Transformation verankert.

Ziel des Projektes ist es, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Bundeshaushaltsordnung (BHO) und ihrer Verwaltungsvorschriften auf ihre Digitaltauglichkeit zu prüfen und konkrete Hindernisse für IT- und Digitalisierungsprojekte zu identifizieren. Im Fokus dieses Workshops stand dabei die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung (§ 7 BHO) inklusive der IT-Wirtschaftlichkeitsuntersuchung (IT-WiBe).

Im Workshop hielten wir fest, dass die WiBe ein zentrales und wichtiges Tool ist, um ökonomische Entscheidungen in der Verwaltung zu treffen.

Dabei brachten die Teilnehmenden vielfältige Praxiserfahrungen ein und diskutierten gemeinsam zentrale Herausforderungen, die bei der Durchführung einer WiBe auftreten:

  • Qualitative Kriterien: Die Integration qualitativer Aspekte – wie zum Beispiel Kriterien der digitalen Souveränität – in die WiBe ist oft, da diese schwer darstellbar sind.
  • Agile Projekte: Die WiBe denkt Projekte in einer Wasserfalllogik, in welcher davon ausgegangen wird, dass zu Beginn schon klar ist, wie das Endprodukt aussieht. Agile Projekte brechen mit dieser Logik: Zielstellungen werden in dieser iterativ erarbeitet und angepasst.
  • Erfahrung der Projektverantwortlichen: Viele Beteiligte verfügen nicht über ausreichend Erfahrung in der Erstellung einer WiBe, was diesen Prozess verlängert. Eine mögliche Lösung könnte die Bündelung von Kompetenzen an zentralen Stellen sein.
  • Langfristige Projekte: Projekte, die über viele Jahre laufen oder über föderale Grenzen hinweg gestaltet sind, erfordern große Datenmengen, die häufig unvollständig oder nur schwer verfügbar sind.

Alle Erkenntnisse des Workshops werden wir am Ende des Projektes im Q2/2026 veröffentlichen.

Wir möchten uns an dieser Stelle herzlich bei der FITKO für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und bei allen Teilnehmenden für ihr Engagement und die wertvollen Beiträge bedanken.

Der nächste Workshop findet am 24. Februar 2026 in Hannover statt. In diesem werden wir uns der Rolle der Beauftragten für den Haushalten (§9 BHO) widmen. Hier gibt es weitere Informationen zu diesem Workshop.

Workshop Digitalisierungshemmnisse in der BHO in Hannover

Podcast-Hörempfehlung: Digitaler Staat: Anspruch vs. Wirklichkeit

Ann Cathrin Riedel eco Podcast SharepicIn der aktuellen Folge von „Das Ohr am Netz“, dem Podcast von @eco – Verband der Internetwirtschaft e.V., sprechen Sidonie Krug und Sven Oswald über die Frage, warum Verwaltungsdigitalisierung in Deutschland trotz klarer politischer Ziele nur langsam vorankommt.

Die Folge verbindet zwei Perspektiven:
Zum einen die Umsetzungspraxis aus der Verwaltung mit Martina Klement, Staatssekretärin für Digitalisierung und Chief Digital Officer des Landes Berlin.
Zum anderen die Sicht der Zivilgesellschaft und des Innovationsökosystems, welche Ann Cathrin Riedel, Geschäftsführerin NExT e.V. einbringt.

Es wird über Nachnutzung digitaler Lösungen, strukturelle und kulturelle Hürden, Führungsfragen gesprochen und darüber, warum Verwaltungsdigitalisierung nur dann nachhaltig gelingt, wenn Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Netzwerke systematisch zusammenarbeiten.

 

Hier geht es direkt zur Podcast Folge „Digitaler Staat“.

Interview zur Gründung des Bündnisses für Staatsreform

Template Bündnis für Staatsreform: Im Gespräch mit den Initiatoren

Deutschland steht vor großen Her­aus­forderun­gen. Unser Staat wird diesen Aufgaben derzeit nicht genügend gerecht. Was es jetzt braucht, ist eine umfassende Staatsreform, die die Modernisierung und Digitalisierung der Verwaltung vorantreibt.

Hier spielen Expertisen aus der Zivilgesellschaft eine entscheidende Rolle. Deshalb haben wir uns mit der Agora Digitale Transformation und ProjectTogether zum Bündnis für Staatsreform zusammengeschlossen, welches von der Stiftung Mercator gefördert wird. Gemeinsam tragen wir als Bündnis dazu bei, die Verwaltung hand­lungs­fähiger zu machen und eine zivilgesellschaftliche Perspektive auf das Thema Staatsreform zu entwickeln. Dafür bringen wir überparteilich Fachleute aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen und setzen auf einen vertrauensvollen Austausch. Stets mit dem Ziel, konkrete Lösungen zu entwickeln und in die Umsetzung zu bringen.

Im Interview sprechen Stefan Heumann, Geschäftsführer Agora Digitale Transformation, Markus Leick, Lead Bündnis für Staatsreform bei Re:Form von Project Together, sowie Ann Cathrin Riedel über ihre Motivationen und Visionen für das Bündnis.

Lieber Markus, liebe Ann Cathrin, lieber Stefan, was hat Eure Organisationen motiviert, sich zum Bündnis für Staatsreform zusammenzuschließen? 

Ann Cathrin, NExT: Die Staatsmodernisierung muss gesellschaftliche Priorität werden. Um dem eher technokratischen Thema breitere Aufmerksamkeit und Blickwinkel zu schenken, war für uns ein Bündnis nur logisch.

Stefan, Agora Digitale Transformation: Wir sehen an vielen Stellen, dass die Anforderungen der Digitalisierung nicht mehr zu den bestehenden staatlichen Strukturen passen. Hier besteht Reformbedarf. Zugleich bietet Digitalisierung die Chance, Regierungshandeln und Verwaltung transparenter, partizipativer und bürgerfreundlicher zu machen.

Markus, Re:Form, ProjectTogether: Es ist unser gemeinsames Ziel, den Staat zu reformieren, um Vertrauen in unsere Demokratie zurückzugewinnen. Weil wir dieses große Ziel ernst nehmen und sich unsere Expertisen und Netzwerke ergänzen, war ein Miteinander der nächste logische Schritt. Denn gemeinsam sind wir stärker.

Welche Expertise bringt Ihr jeweils in das Bündnis ein? 

Stefan, Agora Digitale Transformation: Digitalisierung und Staatsmodernisierung sind eng verknüpft. Wir bringen vor allem unsere Expertise im Bereich der Digitalisierung an dieser Schnittstelle ein.

Markus, Re:Form, ProjectTogether: Einerseits unsere jahrelange Erfahrung in der Gestaltung innovativer Formate, welche einladen, neu über Probleme nachzudenken und Lösungen zu entwickeln. Andererseits ist bei Re:Form über die Jahre ein beeindruckendes Netzwerk aus Verwaltungspionier:innen von Bund bis zur Kommune entstanden, mit guten Kontakten zu politischen Stakeholdern.

Ann Cathrin, NExT: Neben unseren Mitgliedern haben wir ein Netzwerk von über 5.000 Enthusiast:innen der Verwaltungstransformation. An vielen Orten in Deutschland funktionieren viele Dinge schon sehr gut. Über unser Netzwerk können wir Beispiele auf die öffentliche und politische Bühne heben.

Was könnt Ihr mit Euren vereinten Expertisen erreichen, das alleine nicht möglich wäre? 

Stefan, Agora Digitale Transformation: Mit dem Bündnis wollen wir das Signal senden, dass Staatsreform nur mit vereinten Kräften gelingen kann und gemeinsam für mehr politische Aufmerksamkeit sorgen. Zudem wollen wir Ressourcen bündeln und unsere Netzwerke stärker zusammenbringen. Bei uns trifft evidenzbasierte Forschung auf Expertise von Verwaltungspraktiker:innen, sodass unsere Empfehlungen an Politiker:innen in jedem Fall praxistauglich und lösungsorientiert sind.

Wo steht Deutschland aktuell beim Thema Staatsreform und warum braucht es das Bündnis gerade jetzt? 

Markus, Re:Form, ProjectTogether: Das Thema ist 2025 aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Die Gründung des Bundesministeriums für Digitalisierung und Staatsmodernisierung sowie die Modernisierungsagenden sind wichtige Meilensteine mit vielen guten Ansätzen. Allerdings fehlt bisher eine überzeugende Erzählung vom Staat von morgen und Input aus der Zivilgesellschaft. Mit Austauschformaten möchten wir diese frühzeitig einbinden.

Ann Cathrin, NExT: Es sind viele gute Papiere geschrieben worden. Neben der Umsetzung dieser Vorhaben braucht es klare Steuerung, verbindliche Vorgaben und bessere Rahmenbedingungen für die Nachnutzung. Deshalb braucht es einen Austausch zwischen Politik und Verwaltungspraxis, damit diese Vorgaben und Rahmenbedingungen auch den Bedarfen der Verwaltung entsprechen.

Stefan, Agora Digitale Transformation: Es gibt viele gute Ideen. Die werden aber nur umgesetzt, wenn politische Aufmerksamkeit auf dem Thema bleibt. Dafür wollen wir sorgen. Und für eine stärkere Einbindung gesellschaftlicher Perspektiven in den Reformdiskurs.


Welche Erfolge habt Ihr mit dem Bündnis bereits erzielt?

Stefan, Agora Digitale Transformation: Wir konnten bereits in zahlreichen Formaten partei- und sektorenübergreifend sehr unterschiedliche Akteure miteinander in den Austausch bringen. Dabei wurde deutlich, dass uns trotz unterschiedlicher Rollen und Perspektiven mehr eint als trennt.

Ann Cathrin, NExT: Ich erfreue mich an jedem Aha-Moment, den wir miterleben dürfen. Sei es, weil jemand durch Erklärungen einer Expertin endlich ein Problem versteht, oder weil jemand merkt, dass es Verbündete bei einem Thema gibt. Ich bin davon überzeugt, dass über die Kontakte, die wir herstellen, ganz viel in Bewegung gesetzt wird.

Markus, Re:Form, ProjectTogether: Ich freue mich, wenn unsere Formate dazu beitragen, Überparteilichkeit bei Aspekten der Staatsreform herzustellen; wenn der “common ground”, über den man sich unter Demokrat:innen nicht streiten muss, durch vertrauensvolle Gespräche und die Vernetzung kluger Köpfe größer wird.

Welche Projekte geht Ihr in diesem Jahr als Bündnis an? 

Markus, Re:Form, ProjectTogether: Der Staatsreform fehlt eine gesellschaftliche Zielperspektive. Die bisherige Debatte ist auf Bürokratierückbau verengt, vor allem mit wirtschaftlicher Motivation. Wir möchten uns daran machen, diese zivilgesellschaftliche Stimme zu formen und ihr Gehör zu verschaffen.

Stefan, Agora Digitale Transformation: Dafür wollen wir beispielsweise Wohlfahrtsverbände, Umweltvereine und Steuergerechtigkeitsinitiativen zusammenbringen. Diese beschäftigen sich de facto bereits mit Aspekten der Staatsreform. Allerdings oft mit Fokus auf ihr Politikfeld und weniger mit Bezügen zum übergreifenden Staatsmoderninisierungsdiskurs.

Ann Cathrin, NExT: Deshalb möchten wir ein Forum bieten, hieraus eine ganzheitliche Perspektive auf die Staatsreform zu entwickeln, die wir anschließend über unsere Netzwerke sowie diverse Formate in Politik und Verwaltung hineintragen.

Was habt Ihr in der gemeinsamen Zusammenarbeit für die Staatsreform bisher gelernt?

Ann Cathrin, NExT: „Wir arbeiten jetzt zusammen“ klingt so leicht. Aber es ist sehr viel Arbeit, ein gemeinsames Ziel und daraus abgeleitete Wege zu erarbeiten. In der Verwaltung sind es noch mehr als drei Akteure, für die man das erreichen muss. Solch eine Grundlagenarbeit ist aber überaus wichtig.

Markus, Re:Form: Wir teilen ein breites gemeinsames Verständnis von der Staatsreform, haben dabei eigene Blickwinkel auf bestimmte Einzelaspekte. Unser Miteinander ist ein sehr gutes Sounding Board, unsere Argumente zu überprüfen und zu schärfen.

Stefan, Agora Digitale Transformation: Es ist nicht einfach, in einem Bündnis zu agieren. Zivilgesellschaftliche Organisationen müssen im volatilen politischen Berlin ihre oft geringen personellen Ressourcen durch strategische Weitsicht ausgleichen. Hier im Einklang zu agieren und gemeinsam Strategien zu entwickeln, erfordert Einiges an Abstimmung. Zugleich können wir aber auch voneinander lernen und unsere Wirkungskreise miteinander teilen.

Zu guter Letzt: Was macht Euch Mut, dass die Staatsreform 2026 tatsächlich vorankommt?

Stefan, Agora Digitale Transformation: Wir sind grundsätzlich Optimist:innen. Sonst würden wir uns gar nicht mit so einem dicken Brett befassen. Und wir spüren ein politisches Momentum. Was vor ein paar Jahren noch unrealistisch war, scheint nun möglich. Der Reformdruck kommt aus allen Ebenen, von der Geopolitik bis hin zu den Kommunen.

Ann Cathrin, NExT: Die Menschen, die an der Verwaltungstransformation in ganz Deutschland arbeiten, geben mir Mut und Hoffnung. Sie sind das komplette Gegenteil des Klischee-Verwaltungsmitarbeitenden. Die Überstunden, die sie für die Staatsmodernisierung leisten, sind jetzt schon beträchtlich.

Markus, Re:Form, ProjectTogether: Dass Bund und Länder nicht mehr hinter die Modernisierungsagenden zurück können, und an der Umsetzung zu messen sind, ist ein wichtiger Schritt. Gleichzeitig machen mir unsere Vorgespräche mit Vereinen und Verbänden Mut, dass wir 2026 gemeinsam eine starke zivilgesellschaftliche Stimme in den Diskurs einbringen können.

Erfahre mehr über das Bündnis für Staatsreform

NExT e.V. im Behördenspiegel: Projekt zur BHO stößt auf großes Interesse

Der Behördenspiegel hat über das NExT-Projekt zu Digitalisierungshemmnissen in der Bundeshaushaltsordnung berichtet. In einem Interview sprechen Ann Cathrin Riedel, Geschäftsführerin von NExT, und Bernd Schlömer, Staatssekretär des Landes Sachsen-Anhalt, über Zielsetzung, bisherigen Projektverlauf und erste Erkenntnisse.

Im Zentrum des Projekts steht die Frage, an welchen Stellen die Bundeshaushaltsordnung (BHO) die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten in der Verwaltung konkret erschwert – und wie diese Hemmnisse identifiziert und praxisnah adressiert werden können. Ziel ist es nicht, abstrakte Regelungen zu kritisieren, sondern reale Probleme aus laufenden Projekten sichtbar zu machen.

Erfolgreicher Auftakt und großes Engagement aus der Verwaltung

Der erste Workshop des Projekts hat bereits in Magdeburg stattgefunden und ist auf sehr großes Interesse gestoßen. Verwaltungsmitarbeitende aus verschiedenen Ebenen und Regionen haben sich intensiv eingebracht – teils mit weiter Anreise. Motivation und Engagement der Teilnehmenden haben eindrucksvoll gezeigt, wie hoch der Bedarf nach einem besseren Zusammenspiel zwischen Haushaltsrecht und digitaler Projektpraxis ist.

Haushaltslogik und Digitalisierung zusammen denken

Ein zentrales Anliegen des Projekts ist es, bestehende Verständigungslücken zu überbrücken: Zwischen Haushälter:innen und denjenigen, die Digitalisierungsprojekte planen und umsetzen, fehlt häufig ein gemeinsames Verständnis für die jeweiligen Anforderungen und Zwänge. Diese Lücke soll im Projekt gezielt adressiert werden.

Dazu werden konkrete Fallbeispiele aus der Verwaltungspraxis gesammelt und analysiert. So wird nachvollziehbar, wo Digitalisierungsprojekte ins Stocken geraten und warum. Auf dieser Grundlage sollen realistische und umsetzbare Handlungsempfehlungen entwickelt werden.

Einbindung in die föderale Digitalstrategie

Das Projekt ist Teil der föderalen Digitalstrategie. NExT steht hierzu bereits im Austausch mit dem Bundesministerium der Finanzen, das den bisherigen Projektverlauf wohlwollend begleitet. Der Abschlussbericht wird nach Fertigstellung auch dem Bundesfinanzminister Lars Klingbeil vorgelegt.

Weitere Workshops: Termine und Anmeldung

Nach dem erfolgreichen Auftakt folgen zwei weitere Workshops:

  • Frankfurt am Main – 4. Februar 2026
  • Hannover – 27. Februar 2026

Eine Teilnahme ist weiterhin möglich.
Bei Fragen zum Projekt oder zur Anmeldung wende dich gerne an Stephan Fuhrmann unter stephan.fuhrmann@next-netz.de, der die Projektleitung innehat

Eine Community of Practice in der Verwaltung gründen und erfolgreich leiten – worauf es ankommt

Die Verwaltung steht vor großen Herausforderungen: Transformation, Digitalisierung, neue Arbeitsformen. Ein Schlüssel, um diese Herausforderungen zu meistern, ist Vernetzung. Unsere Studie „Community of Practice in der öffentlichen Hand“ hat gezeigt: Communities of Practice (CoPs) sind dabei ein besonders wirkungsvolles Instrument. Sie bringen Menschen zusammen, die ähnliche Themen bewegen, tragen zur gegenseitigen Befähigung der Mitarbeitenden durch Peer-to-Peer-Lernen bei und fördern den Transfer von Wissen und Best-Practices. Doch was muss man eigentlich beachten, wenn man eine Community of Practice in der Verwaltung organisieren möchte?

Was ist eine Community of Practice?

Die von uns erstellte Aufstellung von Vernetzungsangeboten zeigt, schon heute gibt es in der Verwaltung zahlreiche Möglichkeiten, sich auszutauschen – von Konferenzen bis zu Netzwerktreffen. Eine besondere Form dieser Vernetzung sind Communities of Practice. CoPs sind informelle Gruppen von Menschen, die sich freiwillig zusammenschließen, um sich gegenseitig bei fachlichen Fragen zu unterstützen, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen oder gemeinschaftlich an der Lösung von Problemen arbeiten. Im Verwaltungskontext haben sich CoPs längst etabliert, von interföderalen Angeboten wie bei NExT bis hin zu Austauschräumen innerhalb einzelner Organisationen, wo sie den Wissenstransfer zwischen Mitarbeitenden fördern.

Erfolgsfaktoren für die Organisation einer CoP

Eine erfolgreiche Community ist kein Selbstläufer. Die Leitung übernimmt dabei verschiedene Aufgaben: Sie identifiziert relevante Themen, gewinnt geeignete Referent:innen, kümmert sich um die Koordination mit Co-Leitungen und kommuniziert mit den Mitgliedern. Häufig gehört auch die Pflege einer gemeinsamen Dokumentenablage oder eines E-Mail-Verteilers dazu. Besonders herausfordernd ist es oft, die Mitglieder zur aktiven Beteiligung zu motivieren, sei es durch Diskussionsbeiträge, das Einbringen eigener Themen oder durch Impulsvorträge.

Für alle, die eine CoP gründen oder nachhaltig gestalten möchten:
Unsere 10 Erfolgsfaktoren – kompakt zusammengefasst (weiter unten auch zum Download verfügbar):

  1.  Klare Ziele setzen
    Am Anfang steht eine klare Vision: Soll die CoP vor allem der Vernetzung dienen oder konkrete Arbeitsergebnisse erarbeiten? Die Ziele können gemeinsam mit den Mitgliedern entwickelt und sollten regelmäßig überprüft und an aktuelle Bedürfnisse angepasst werden.
  2. Passende Gruppengröße und Formate wählen
    Kleine Gruppen ermöglichen tiefere Zusammenarbeit, größere bieten breiteren Austausch. Erfolgreiches Community-Management berücksichtigt zudem abwechslungsreiche Angebote, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Mitglieder gerecht zu werden. Bewährte Formate sind z. B. Fachvorträge, Gruppendiskussionen, Lean Coffee Meetings, Brownbag-Sessions, Barcamps, Arbeitsgruppen oder Online-Speed-Dating.
  3. Strukturiertes Community-Management
    Klare Rollen, verlässliche Abläufe und gute und möglichst kontinuierliche Moderation geben Orientierung. Es gibt kein Patentrezept, entscheidend ist, dass die Struktur zu den Mitgliedern und ihren Bedürfnissen passt.
  4. Relevante Inhalte bieten
    Praxisnahe, aktuelle und anschlussfähige Themen steigern die Attraktivität. Inhalte sollten spezifisch und auf die beruflichen Anforderungen zugeschnitten sein. Zu allgemeine oder veraltete Themen senken die Motivation.
  5. Sichtbarkeit sicherstellen und Mehrwert kommunizieren
    Damit Interessierte von der Community erfahren, braucht es ein klares Profil und aktive Kommunikation. Auch Vorteile wie Wissenstransfer, Motivation und Nachnutzung sollten betont werden. Je besser der Nutzen sichtbar ist, desto leichter fällt es auch, die Unterstützung von Vorgesetzten für die Teilnahme zu gewinnen. Wir bei NExT haben zu diesem Zweck einen One-Pager mit den wichtigsten Mehrwerten der CoP-Teilnahme erstellt.
  6. Niedrigschwelligen Zugang ermöglichen
    Eine unkomplizierte Anmeldung, kostenfreie Teilnahme, frühzeitige Terminankündigungen und nutzerfreundliche Tools erleichtern den Einstieg. Das erforderliche Engagement sollte realistisch bleiben, da viele Mitarbeitende CoPs zusätzlich zu ihren regulären Aufgaben wahrnehmen.
  7. Geschützten Raum schaffen
    Offener Austausch über Fehler und Herausforderungen funktioniert nur, wenn Vertrauen da ist. Klare Regeln (z.B. Chatham House Rule), respektvolle Moderation, Aufbau persönlicher Verbindung zwischen den Mitgliedern (siehe Punkt 8) oder auch die bewusste Begrenzung der Teilnehmenden sind dafür die Basis.
  8. Gemeinschaftsgefühl fördern
    Mitglieder bleiben und engagieren sich, wenn sie sich willkommen fühlen und sich mit der Gruppe identifizieren. Persönliche Begegnungen, kleine Austauschformate, regelmäßige Treffen, Online-Speed-Dating und eine offene Ansprache (z.B. Arbeits-Du) stärken das Wir-Gefühl.
  9. Engagement aktiv fördern
    Lebendige Communities entstehen durch aktive Beteiligung. Oft braucht es eine gezielte Ansprache einzelner Mitglieder, um Impulse einzubringen. Hilfreich sind zudem Transparenz über die Themenplanung, das Betonen des informellen Charakters von Beiträgen und die Hervorhebung der Vorteile für Vortragende.
  10. Wissen dokumentieren und teilen
    Ergebnisse sollten so festgehalten werden, dass sie leicht auffindbar und für alle zugänglich sind, z.B. über eine gemeinsame Plattform mit Materialien, Protokollen oder Best Practices.
Hier direkt den Onepager herunterladen

Gemeinsam Ergebnisse erarbeiten: ein Muss für die Berechtigung von Communities of Practice? Nicht unbedingt!

In Communities of Practice (CoPs) und anderen Netzwerken der öffentlichen Verwaltung wird häufig gefordert, dass Treffen „ein vorzeigbares Ergebnis“ hervorbringen müssen, etwa in Form von Leitfäden, Konzepten oder Positionspapieren. Dahinter steht oft die Annahme: Ohne greifbares Resultat kein wirklicher Mehrwert.

Unsere Studie „Erfolgsfaktor Community of Practice in der öffentlichen Hand“ zeigt jedoch ein differenziertes Bild:

  • Das gemeinsame Erarbeiten von Ergebnissen ist ein wichtiger, aber nur einer von mehreren Mehrwerten.
  • In der Prioritätenliste der Befragten steht es auf Platz 5 von 8. Wichtiger sind den meisten Wissenstransfer, thematisch passgenauer Austausch und das Knüpfen von Kontakten.
  • Nicht alle möchten oder können sich in ergebnisorientierte Arbeitsprozesse einbringen.
  • Gleichzeitig gibt es eine engagierte Teilgruppe, der dieses Ziel besonders wichtig ist. Deren Energie sollte gezielt genutzt werden.

Warum gemeinsame Arbeitsergebnisse wertvoll sind

Die kollaborative Erstellung von Ergebnissen kann zentrale Impulse für Verwaltung und Transformation geben.

Praxisnahe und hochwertige Ergebnisse

Gemeinsam lassen sich konkrete, anwendungsorientierte Arbeitsergebnisse wie Konzepte, Leitfäden oder Positionspapiere entwickeln, die eine einzelne Person oder Organisationseinheit allein oft nicht in gleicher Qualität oder Geschwindigkeit erreichen könnte.

„Das ist ein Mechanismus, um Lösungen für ganz neue Themen zu entwickeln, um überhaupt zu Lösungen zu kommen. Eine einzelne Organisationseinheit hätte das alleine gar nicht lösen können. Die Dynamik des Netzwerkes hat es geschafft, in relativ kurzer Zeit zu einer Lösung zu kommen.“
– Interview-Teilnehmer:in der Studie „Erfolgsfaktor Community of Practice in der öffentlichen Hand“

Vertretung gemeinsamer Interessen

Eine weitere Motivation, in Netzwerken gemeinsam an Ergebnissen zu arbeiten ist die Möglichkeit, eine starke gemeinsame Plattform zu schaffen. Auf dieser können Positionen formuliert und Argumentationsgrundlagen mit verwaltungsübergreifender Relevanz entwickelt werden, die auch politisch Gehör finden.

Mit dem Positionspapier kann ich jetzt zum Landrat gehen: Ich möchte diese Lösung, weil das mehrere erarbeitet haben.“ – Interview-Teilnehmer:in

Individueller Nutzen und Praxiserfahrung

Teilnehmende profitieren zudem direkt von Lösungen für eigene Probleme, vom interdisziplinären Austausch und vom Zugang zu Materialien, die sonst schwer zu finden wären. Die Aussicht auf unmittelbar anwendbare Ergebnisse steigert zusätzlich die Motivation.

Auf diese Weise kann die Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen hinweg nebenher Transformationshürden abbauen: Silos werden überwunden, Best Practices ausgetauscht und Kompetenzen gestärkt. In manchen Fällen entstehen daraus längerfristige Kooperationen, etwa zwischen mehreren Kommunen.

Gelingensbedingungen für nachhaltige Ergebnisse

Für eine erfolgreiche ergebnisorientierte Zusammenarbeit in Netzwerken, sind bestimmte Voraussetzungen besonders wichtig:

  • Kleine, fokussierte Gruppen statt großer offener Runden
  • Klare Themenfokussierung mit Bezug zu konkreten Praxisproblemen
  • Stringente Moderation und Projektmanagement über den gesamten Prozess hinweg
  • Zeitliche Freiräume der Beteiligten durch Unterstützung der Arbeitgeber

Fazit

Das gemeinsame Erarbeiten von Ergebnissen ist ein wertvoller, aber nicht allein entscheidender Aspekt von Communities of Practice. Statt ein verpflichtendes Ziel für jedes Treffen zu sein, sollte es eine bewusst gewählte Arbeitsform sein, mit klaren Zielen, motivierten Beteiligten und guter Organisation.
Bei NExTcommunity-Treffen kommen aufgrund der bundesweiten Ausrichtung und des niedrigschwelligen Zugangs häufig größere Gruppen und neue Gesichter zusammen. Daher findet das gemeinsame Erarbeiten von Arbeitsergebnissen gezielt im NExTwerkstatt-Format statt.

Netzwerken ermöglichen: Was Führungskräfte jetzt tun können

Bild zu Formen der Unterstützung Vernetzung

Vernetzung ist ein zentraler Hebel für die Verwaltungstransformation. Doch damit Netzwerke wirken können, braucht es Rückhalt von oben. Führungskräfte haben hier eine Schlüsselrolle: Sie setzen Impulse, schaffen Rahmenbedingungen und beeinflussen maßgeblich, ob Netzwerkarbeit als sinnvoll und legitim wahrgenommen wird.

Unsere kompakte Handreichung zeigt auf Basis der Studienergebnisse aus dem Projekt Community of Practice in der öffentlichen Hand,

  • warum Netzwerken für die Verwaltung und ihre Mitarbeitenden wichtig ist,
  • welche Barrieren dabei auf Führungsebene entstehen (oft auch unbeabsichtigt)
  • und was Führungskräfte konkret tun können, um Netzwerkarbeit zu ermöglichen und zu fördern.

Die Tipps eignen sich für alle, die selbst führen oder ihre Führungskraft dazu ermutigen wollen, Netzwerkeaktivitäten stärker zu unterstützen. Ob im Teammeeting, im Führungskreis oder als Ausdruck an der Bürowand: Dieses PDF will gelesen, geteilt und weitergedacht werden.

Jetzt herunterladen, weiterleiten und Wirkung entfalten lassen!

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Ausführlicher Ergebnisbericht: Erfolgsfaktor Community of Practice in der öffentlichen Hand

Dieser umfassende Ergebnisbericht (rund 100 Seiten) enthält die vollständigen Erkenntnisse der NExT-Studie zur Rolle von Netzwerken und Communities of Practice (CoPs) in der Verwaltungstransformation, basierend auf 31 qualitativen Interviews und einer Online-Befragung von über 500 Verwaltungsmitarbeitenden. Neben den zentralen Studienergebnissen zu Mehrwerten, Herausforderungen, Erfolgsfaktoren und Handlungsempfehlungen (siehe auch Haupt-Publikation) bietet dieser ausführliche Bericht vertiefte methodische Einblicke sowie detaillierte Auswertungen einzelner Teilaspekte.

 

Zusatzkapitel: NExT-Evaluation

Besonders relevant für alle, die mit dem Aufbau und der Organisation von Netzwerken und insbesondere der NExT-Communities betraut sind: Kapitel 4.5 widmet sich der Evaluation der NExT-Communityangebote. Es beleuchtet Zufriedenheit, Bekanntheit, Nutzung und das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der NExT-Communities und zeigt auf, wo aktuell Potenziale für Weiterentwicklungen liegen. Dazu gehören u. a. die Sichtbarmachung nachnutzbarer Lösungen, der erleichterte Kontaktaufbau unter Community-Mitgliedern sowie Ansätze zur stärkeren Aktivierung des Engagements in der Community.

Ideal für alle, die nicht nur wissen wollen, dass Netzwerke wirken – sondern wie genau sie wirken, was sie brauchen, um nachhaltig erfolgreich zu sein, und was konkret bei NExT schon gut funktioniert bzw. weiter gestärkt werden kann.

Zu den Veröffentlichungen