Gastbeitrag zum GovImpact Policy Paper: Souveräne Cloud

Wie wird digitale Souveränität in der Verwaltung wirklich umsetzbar? Statt unklarer Vorgaben und individueller Risikoabwägungen braucht es verbindliche Rahmenbedingungen, um Abhängigkeiten wirksam abzubauen.

Im Gastbeitrag im Tagesspiegel Background argumentieren Ann Cathrin Riedel (Geschäftsführerin von NExT e.V.) und Anke Obendiek (DigitalService), dass digitale Souveränität in der Verwaltung nur gelingen kann, wenn strategische Entscheidungen nicht auf der Umsetzungsebene hängen bleiben.

Statt die Verantwortung für digitale Souveränität einzelnen Verwaltungsmitarbeitenden zu überlassen, brauche es klare politische Prioritäten, verbindliche Beschaffungsregeln und gezielte Unterstützung beim Aufbau souveräner Cloud-Lösungen. Nur so könne die Verwaltung ihre digitale Handlungsfähigkeit langfristig sichern und strategische Abhängigkeiten wirksam reduzieren.

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Veröffentlichung Policy Paper: Forderungen für ein digitaltaugliches Haushaltsrecht

Titelbild BHO Policy Paper

Unser neues Policy Paper Forderungen für ein digitaltaugliches Haushaltsrecht: Anpassung der haushaltsrechtlichen Rahmenbedingungen an die digitale Transformation zeigt auf, an welchen Stellen die bestehenden haushaltsrechtlichen Rahmenbedingungen Digitalisierungsprojekte erschweren und welche Reformen erforderlich sind. Auf Grundlage von Interviews und Workshops identifiziert das Paper rechtliche, organisationale und kulturelle Hürden für die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten und leitet daraus konkrete Handlungsempfehlungen ab. Im Mittelpunkt stehen vier Reformfelder – die Flexibilisierung und Standardisierung des Haushaltsrechts, die Weiterentwicklung der Rolle der Beauftragten für den Haushalt, eine agile Wirtschaftlichkeitsuntersuchung sowie die Schaffung verbindlicher digitaler Standards für die Haushalts- und Rechnungsbearbeitung. Ziel ist es, die bewährten haushaltsrechtlichen Grundsätze zu erhalten und gleichzeitig die Rahmenbedingungen für Digitalisierungsprojekte effizienter zu gestalten.

Zur Veröffentlichung haben Bernd Schlömer (Staatssekretär für Digitalisierung und CIO in Sachsen-Anhalt) und Ann Cathrin Riedel (NExT Geschäftsführerin) mit Viola Heeger vom Tagesspiegel Background Digitalisierung & KI gesprochen. Zur Berichterstattung des Tagesspiegel Background geht es hier.

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Das Paper bündelt die Ergebnisse des Projekts „Für digitaltaugliche Verwaltungsvorschriften von morgen: Mit Beteiligung modernes Recht für die digitale Transformation schaffen“, das im Rahmen des Schwerpunktthema „Digitale Transformation“ der Föderalen Digitalstrategie des IT-Planungsrats von NExT e. V. gemeinsam mit dem Ministerium für Infrastruktur und Digitales Sachsen-Anhalt durchgeführt wurde.

Gastbeitrag in Table.Media: Der Staat von morgen braucht die Zivilgesellschaft

Das Thema Staatsreform ist 2025 endlich aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Mit Gründung des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung sowie den Modernisierungsagenden haben Bundesregierung und Länder erste konkrete Reformvorschläge auf den Weg gebracht. Das ist ein Fortschritt.

Der Staatsreform fehlt aber eine gesellschaftliche Zielperspektive. Die bisherige Debatte ist auf Bürokratieabbau verengt, vor allem aus wirtschaftlicher Perspektive. Sprich: Wenn wir nur genug Regelungen streichen, läuft der Motor schon wieder. Das ist gefährlich unterkomplex. Denn Bürokratie ist kein Übel an sich und der Abbau oder gar Rückbau derselben allein keine tragfähige Vision. Vielmehr ist Bürokratie das Rückgrat des Rechtsstaats und die Garantie, dass wir nicht der Willkürherrschaft des Stärkeren ausgesetzt sind. Sind Trump und seine Tech Bros nicht Warnung genug?

Die Staatsreform darf nicht leichtfertig zum Spielfeld eines Lobbykampfes werden, in dem Wirtschaftsinteressen gegen gesellschaftliche Schutzgüter wie Klagerechte der Zivilgesellschaft, Umweltschutz oder Sozialstandards ausgespielt werden. So macht man sich weite Teile der Zivilgesellschaft zum Gegner und bringt sie in eine Abwehrhaltung. Und man wird so auch nicht die 73 Prozent der Bürgerinnen und Bürger überzeugen, die den Staat laut dbb-Studie als überfordert ansehen, gesellschaftliche Probleme anzugehen.

Dabei hat nicht nur die Wirtschaft ein elementares Interesse an einem handlungsfähigen Staat. Auch die Zivilgesellschaft – Wohlfahrtsverbände, Kommunalnetzwerke, Stiftungen, Vereine und Initiativen – gehört dazu. Es sind diese Akteure, die täglich mit staatlichen Regeln, Verfahren und Vollzugspraxis arbeiten und dabei das Gemeinwohl im Blick haben.

Beispiel Klimageld: Das Projekt der Vorgängerregierung scheiterte vor ein paar Jahren auch daran, dass der Staat die Auszahlung an die Bürger:innen nicht organisieren konnte. Beispiel Steuergerechtigkeit: Der Gesellschaft entgehen laut Schätzungen der Steuer-Gewerkschaft jährlich über 100 Milliarden Euro, weil es an Personal in der Steuerfahndung fehlt, KI nicht systematisch zum Einsatz kommt und nicht-digitalisierte Prozesse den Betrug leicht machen.

Und im Sozialbereich wissen viele Anspruchsberechtigte im Dschungel hunderter Sozialleistungen gar nicht, was ihnen eigentlich zusteht oder verzweifeln an den komplizierten Antragsprozessen. Ein proaktiver, digitaler Staat kann die soziale Teilhabe erhöhen. Gerade in Fragen der Sozialstaatsreform verfügen zivilgesellschaftliche Akteure über Umsetzungserfahrung und sehen früh, wo staatliche Verfahren scheitern, zu kompliziert sind oder Menschen ausschließen.

Was bislang fehlt, sind Kanäle, um dieses Wissen in die Staatsreform einzubringen: strukturierte Beteiligung zivilgesellschaftlicher Organisationen bei der Ausgestaltung zentraler Reformvorhaben, frühe Einbindung in der Gesetzesvorbereitung, dauerhafte Austauschformate zwischen Ministerien, Verwaltung und Zivilgesellschaft – vergleichbar mit den etablierten Dialogformaten der Wirtschaft. Beteiligungs- und Umsetzungsformate der Zivilgesellschaft sollten dort priorisiert werden, wo die Modernisierungsagenda selbst große Hebel sieht, etwa bei der Digitalisierung von Sozialleistungen, beim Datenaustausch zwischen Behörden oder bei der Entlastung kommunaler Verwaltungen im Vollzug.

Nur wenn wir die Reformdebatte aus der technokratischen Nische herausholen und nicht auf wirtschaftliche Interessen reduzieren, kann sie die Kraft entwickeln, unseren Staat im Sinne des Gemeinwohls zu modernisieren.

Ann Cathrin Riedel ist Publizistin und Expertin für Digitalpolitik, Verwaltungstransformation und Demokratie. Als Geschäftsführerin von NExT e.V. setzt sie Impulse für die Modernisierung der Verwaltung, um Digitalisierung als Schlüssel für eine zukunftsfähige Gesellschaft und stabile Demokratien zu nutzen.

Markus Leick ist Verwaltungswissenschaftler und koordiniert das Bündnis für Staatsreform. Als ehemaliger Diplomat und Amtsleiter bei der Stadt Kassel kann er auf langjährige praktische Verwaltungserfahrung in Bund und Kommune zurückgreifen.

Dr. Stefan Heumann ist Digitalexperte und Geschäftsführer der Agora Digitale Transformation. Zuvor hat er die Stiftung Neue Verantwortung (jetzt Interface) als Think Tank auf digitalpolitische Themen ausgerichtet und einige Jahre als Vorstand mitgeleitet.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Berlin.Table