NExT sucht ab sofort zwei Werkstudent:innen in Berlin.

Du willst aktiv die digitale Transformation der Verwaltung mitgestalten?

Bewirb dich bis zum 28. Februar 2026 mit Lebenslauf, Motivationsschreiben und relevanten Zeugnissen.

Research (15–20h/Woche, 18 €/Stunde)

Du hast Lust, an praxisnahen Studien zur Verwaltung mitzuwirken?

Dann unterstütze uns u.a. bei:

  • Datenerhebung & Auswertung
  • Erstellung von Berichten & Präsentationen
  • Aufbereitung von Forschungsergebnissen & praxisnahen Handlungsempfehlungen

 

Advocacy (15–20h/Woche, 18 €/Stunde)

Du willst Verwaltungsperspektiven in Politik und Gesellschaft sichtbar machen?

Dann unterstütze uns u.a. bei:

  • Vorbereitung und Begleitung von Terminen mit Projektpartnern & Stakeholdern
  • Organisation & inhaltlicher Vorbereitung von Veranstaltungen
  • Recherche & Kommunikation für Advocacy-Projekte

 

Werde Teil unseres Netzwerks und sammle wertvolle Erfahrung in spannenden Projekten!

Wir freuen uns auf deine Bewerbung per Mail an  anncathrin.riedel@next-netz.de

Weitere Informationen zu den Stellenausschreibungen findest Du auf unserer Homepage!

Offene Stellen bei NExT e.V.

NExT e. V. schärft strategische Ausrichtung und bündelt Arbeit zur Verwaltungstransformation in drei Säulen

Pressemitteilung:

Der gemeinnützige Verein NExT e. V. ordnet seine Arbeit neu und bündelt sie künftig entlang von drei Säulen: Netzwerke & Communities, Research und Advocacy. Mit dem Relaunch der Website macht NExT diese strategische Entscheidung nun auch nach außen sichtbar.

Ausgangspunkt bleibt das Kerngeschäft von NExT: Der Aufbau von Communities und die Stärkung des Netzwerkens in der öffentlichen Verwaltung. Darauf aufbauend werden Erfahrungen aus der Praxis systematischer ausgewertet und gezielt in politische und gesellschaftliche Diskussionen eingebracht.

„Netzwerken und Communities sind das, womit NExT groß geworden ist – und das bleibt auch so“, sagt Dr. Alfred Kranstedt, Vorsitzender von NExT „Wir haben aber bewusst entschieden, unsere Arbeit klarer zu strukturieren. Die drei Säulen zeigen, wie Austausch, Wissen und Wirkung bei uns zusammenhängen.“

In der Säule Netzwerke & Communities bringt NExT Mitarbeitende der öffentlichen Verwaltung zusammen, fördert Austausch und gemeinsames Lernen und unterstützt praxisnahe Zusammenarbeit. Die Säule Research greift Erfahrungen aus der Verwaltung auf, wertet sie systematisch aus und übersetzt sie in Studien und Handlungsempfehlungen. Advocacy bringt diese Erkenntnisse in politische und gesellschaftliche Diskussionen ein und stärkt so Reformprozesse und Staatsmodernisierung.

„Unsere Arbeit lässt sich gut mit drei Schritten beschreiben: vernetzen, verstehen und verändern“, ergänzt Ann Cathrin Riedel, Geschäftsführerin von NExT. „Die neue Struktur hilft dabei, diese Logik sichtbar zu machen und zu zeigen, wie Menschen bei NExT andocken und mitwirken können.“

Die Website bildet die neue Struktur nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell ab: Alle Inhalte und Formate sind den jeweiligen Säulen eindeutig zugeordnet und farblich gekennzeichnet. Das erleichtert die Orientierung und zeigt die Zuordnung der Themen zu den Arbeitsbereichen.

Podcast-Hörempfehlung: Digitaler Staat: Anspruch vs. Wirklichkeit

Ann Cathrin Riedel eco Podcast SharepicIn der aktuellen Folge von „Das Ohr am Netz“, dem Podcast von @eco – Verband der Internetwirtschaft e.V., sprechen Sidonie Krug und Sven Oswald über die Frage, warum Verwaltungsdigitalisierung in Deutschland trotz klarer politischer Ziele nur langsam vorankommt.

Die Folge verbindet zwei Perspektiven:
Zum einen die Umsetzungspraxis aus der Verwaltung mit Martina Klement, Staatssekretärin für Digitalisierung und Chief Digital Officer des Landes Berlin.
Zum anderen die Sicht der Zivilgesellschaft und des Innovationsökosystems, welche Ann Cathrin Riedel, Geschäftsführerin NExT e.V. einbringt.

Es wird über Nachnutzung digitaler Lösungen, strukturelle und kulturelle Hürden, Führungsfragen gesprochen und darüber, warum Verwaltungsdigitalisierung nur dann nachhaltig gelingt, wenn Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Netzwerke systematisch zusammenarbeiten.

 

Hier geht es direkt zur Podcast Folge „Digitaler Staat“.

Recap der NExT e.V. Herbstkonferenz 2025 in Freiburg im Breisgau

Bild NExT Herbskonferenz 2025

Inspirierende Tage liegen hinter uns! In Freiburg im Breisgau kamen Mitglieder, Partner und Gäste zur diesjährigen NExT Herbstkonferenz zusammen – ein Konferenztag voller spannender Vorträge, lebendiger Diskussionen und drei praxisnaher Workshops, die reichlich Raum für Austausch und neue Impulse boten.

Zu den inhaltlichen Höhepunkten zählten die Eröffnungskeynote von Martin Horn, Oberbürgermeister der Stadt Freiburg, sowie der Beitrag von Björn Beck, Leiter des InnoLab BW. In der Paneldiskussion zur Modernisierungsagenda diskutierten Björn BeckMarian Schreier (Geschäftsführer GovTech Kommunal), Elisabeth Paul (Landkreistag) und Claudia Straub (Bundesministerium für Staatsmodernisierung und Digitales) über die Weiterentwicklung der Verwaltung – mit Perspektiven aus Bund, Land und Kommune.

Am Nachmittag folgte die Mitgliederversammlung, in der die Weiterentwicklung von NExT mit neuer Struktur und starken Partnern im Mittelpunkt stand.

Ein besonderes Highlight des Tages war der Abschluss: Ein Improtheater des Theater L.U.S.T., dessen Schauspielerinnen sich zuvor unter die Gäste gemischt hatten und die Themen der Konferenz humorvoll in ihr Programm einbauten. Begriffe wie „Deutschlandstack“, „Schriftformerfordernis“ oder „Eiersortiermaschine“ sorgten für Szenen, bei denen gemeinsam Tränen gelacht wurden.

Unser großer Dank gilt allen Teilnehmer:innen, Referent:innen und Gästen – und ganz besonders der Stadt Freiburg, unserem langjährigen institutionellen Mitglied, für die wunderbare Einladung, Ausrichtung und Unterstützung der Konferenz. Freiburg bot mit seiner engagierten Smart-City-Arbeit und seinem großartigen Gastgeberteam den perfekten Rahmen für intensive Diskussionen und wertvolle Begegnungen.

Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste NExT Herbstkonferenz!

NExT e.V. stellt sich breiter auf – für eine starke Stimme der Verwaltungstransformation

Bild zur Neuaufstellung der NExT-Geschäftsstelle

Der Vorstand von NExT hat bereits im Frühjahr dieses Jahres beschlossen, die Geschäftsstelle breiter aufzustellen. Ziel ist es, unsere strategischen Anliegen noch wirkungsvoller umzusetzen und die Herausforderungen der Verwaltungstransformation bestmöglich zu begleiten.
Diese Neuaufstellung ist nun abgeschlossen – und sie passt perfekt zu den aktuellen politischen Entwicklungen, insbesondere zur Einrichtung des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung.

Künftig wird die NExT-Geschäftsstelle aus drei Säulen bestehen, die gemeinsam von Geschäftsführerin Ann Cathrin Riedel, unterstützt von Isabel Drogan (Assistenz der Geschäftsführung & Teamassistenz), koordiniert werden.

1. Netzwerke & Communities – unser Kerngeschäft

Leitung: Melike Geyik, Lead Netzwerke & Communities

Diese Säule umfasst unsere bewährten Formate wie die Communities of Practice, die Werkstätten und NExT-to-meet-you.
Wie unsere Studie aus dem Frühjahr 2025 gezeigt hat, bieten Netzwerke und Communities of Practice erhebliche Mehrwerte für das Vorankommen der Verwaltungsmodernisierung – und genau daran knüpfen wir an: mit Ausbau, Weiterentwicklung und neuen Impulsen.

2. Research – Wissen schaffen für die Praxis

Leitung: Theresa Amberger, Head of Research

In dieser Säule entwickeln wir Studien und ermitteln, was Verwaltungsmitarbeitende in der digitalen Transformation brauchen – und was sie am Vorankommen hindert.
Unsere Studie zu den Mehrwerten von Netzwerken und Communities, gefördert vom Bundesministerium des Innern und für Heimat war hierfür der Auftakt.
Aktuell widmen wir uns dem Thema Nachnutzung: Warum funktioniert sie? Und warum manchmal nicht? Ziel ist es, Forschungsergebnisse nicht nur praxisnah für die Arbeit der Verwaltungsmitarbeitenden nutzbar zu machen, sondern auch Handlungsempfehlungen für Verwaltung und Politik zu formulieren.

3. Advocacy – die Stimme der Verwaltung stärken

Leitung: Ann Cathrin Riedel, Geschäftsführerin, und Stephan Fuhrmann, Lead Advocacy

Hier bringen wir die Anliegen und Expertise der Verwaltungsmitarbeitenden gezielt in den politischen Raum.
Dazu bereiten wir Wissen aus der Praxis auf – von Policy Papern bis hin zu Hintergrundgesprächen – und tragen es an relevante politische Akteur:innen
So sorgen wir dafür, dass die Erfahrung und Ideenvielfalt aus der Verwaltung in die Weiterentwicklung von Strukturen und Prozessen einfließen. Damit wollen wir sicherstellen, dass die Stimmen der Verwaltungsmitarbeitenden gehört werden und dass ihre Expertise ein fester Bestandteil politischer Entscheidungsprozesse wird.

Ein starkes Team für eine starke Mission

Unterstützt wird das Leitungsteam von drei engagierten Werkstudierenden.
Mit dem Einstieg von Melike Geyik ist die Neuaufstellung nun vollständig – und gleichzeitig der Grundstein gelegt für mehr Themenvielfalt, breiteres Engagement und eine noch stärkere Stimme der Verwaltungsmitarbeitenden.

Gastbeitrag: Wie viele Netzwerke braucht die Verwaltungstransformation?

Netzwerke sind ein zentrales Mittel, um die Verwaltung zukunftsfähig zu machen. Kaum einen Vortrag zur Verwaltungsmodernisierung, in dem nicht das Wort „Vernetzung“ fällt. Und in der Tat: Wer sich mit Gleichgesinnten austauscht, bekommt nicht nur neue Impulse, sondern auch konkretere Handlungsperspektiven. Aber bei über 70 identifizierten Netzwerken allein im Bereich Verwaltungstransformation stellt sich die Frage: Kommt man da eigentlich noch zum Arbeiten? Oder sind wir bereits in einer Netzwerkspirale gefangen, die mehr Energie kostet, als sie bringt?

Diese Fragen treiben viele um und sie sind berechtigt. Gleichzeitig helfen plakative Antworten nicht weiter. Es braucht eine differenzierte Auseinandersetzung: Was leisten Netzwerke? Wo liegen die Grenzen? Und wie gelingt ein sinnvoller Umgang mit der wachsenden Zahl an Angeboten?

Wirksamkeit entsteht nicht automatisch

Bei Next e. V. haben wir eine vom Bundesministerium des Innern und für Heimat geförderte Studie umgesetzt, die diesen Fragen systematisch nachgegangen ist. Darin haben wir nicht nur die erwähnten über 70 bestehenden Netzwerke identifiziert und aufgelistet, sondern auch gezeigt: Netzwerke haben nachweisbare Mehrwerte, für Individuen ebenso wie für Organisationen, für kleine Kommunalverwaltungen genauso wie für Bundesbehörden.

Sie dienen der Wissensvermittlung, schaffen Inspiration, geben Orientierung, fördern informellen Austausch und ermöglichen oft erst die praktische Umsetzung von Ideen. Viele berichten, dass sie durch Netzwerke erstmals konkrete Anknüpfungspunkte für eigene Projekte gefunden haben. Andere erleben, dass sie sich im Netzwerk zum ersten Mal überhaupt trauen, Fragen zu stellen oder Zweifel zu äußern. Netzwerke können Ermutigungsräume sein, in denen das sonst so oft mühsame und isolierte Vorankommen in der Verwaltung an Tempo und Richtung gewinnt.

Diese Wirksamkeit entsteht jedoch nicht automatisch. Sie ist nicht die Folge bloßer Mitgliedschaft oder Teilnahme. Sie entsteht durch echte Verbindung, Relevanz und Vertrauen. Genau hier liegt eine der zentralen Herausforderungen.

Denn so unterschiedlich wie die Menschen in der Verwaltung sind, so unterschiedlich sind ihre Bedarfe. Es gibt Kolleg:innen, die sich in große, thematisch breite Netzwerke einbringen, um sich inspirieren zu lassen und ein Gefühl für die große Transformationsbewegung zu bekommen. Andere suchen gezielt den Austausch zu einem hochspezialisierten Thema, sei es der Umbau kommunaler IT-Infrastrukturen, die digitale Personalakte oder die Zusammenarbeit mit Start-ups. Manche brauchen den geschützten Raum unter Verwaltungsbeschäftigten, andere schätzen die gemischten Formate mit Zivilgesellschaft, Wirtschaft oder Politik. Wieder andere profitieren vor allem dann, wenn sie über Monate hinweg gemeinsam mit einer kleinen Gruppe an konkreten Lösungen arbeiten.

Vielfältigere Netzwerke und Freiräume sind notwendig

Das heißt: Nicht jedes Netzwerk muss alles leisten. Im Gegenteil, je klarer ein Netzwerk seine Zielgruppe und seinen Nutzen benennt, desto einfacher wird es für Interessierte, das passende Angebot zu finden. Vielfalt ist kein Problem, solange sie mit Klarheit einhergeht. Was es jedoch braucht, ist eine gewisse Stringenz in der Kommunikation. Wenn Netzwerke ihre Ziele und Angebote nicht transparent darstellen, fällt es schwer, als potenziell Interessierte:r zu entscheiden, ob und warum man sich einbringen sollte.

Gleichzeitig sehen wir auch ein anderes Problem: Es netzwerken immer noch zu wenige. Viele kennen die bestehenden Angebote nicht oder fühlen sich nicht angesprochen. Andere erleben keine Freiräume in ihren Organisationen, um überhaupt an Netzwerkformaten teilnehmen zu können. Wieder andere glauben, dass Netzwerken nicht produktiv sei oder „nichts bringt“. Dabei zeigt unsere Studie klar: Netzwerken ist nicht „nice-to-have“, sondern Teil moderner Verwaltungspraxis. Wer Transformationsprozesse gestalten will, braucht Anschluss – fachlich, methodisch, menschlich.

Deshalb richten sich unsere Handlungsempfehlungen in der Studie auch an unterschiedliche Ebenen: Einzelne können lernen, wie sie den Einstieg ins Netzwerken finden und für sich passende Formate entdecken. Vorgesetzte und Arbeitgeberorganisationen wiederum sind gefordert, Netzwerkarbeit zu ermöglichen, sichtbar zu machen und strukturell zu unterstützen. Denn ohne entsprechende Rahmenbedingungen bleibt Netzwerkarbeit ein Engagement nebenbei – mit entsprechend begrenztem Wirkungspotenzial.

Es braucht viele Netzwerke – aber nicht alle

Und noch eine Frage treibt viele um: Wenn es so viele Netzwerke gibt, wie verhindere ich, mich darin zu verlieren? Auch das ist eine realistische Sorge. Netzwerken macht nicht nur Sinn, es macht oft auch Spaß. Man trifft Gleichgesinnte, erfährt Neues, bekommt Anerkennung. Aber wie so oft im Leben braucht es auch hier Selbstdisziplin. Nicht jede Einladung muss angenommen, nicht jedes Format besucht werden. Entscheidend ist, sich regelmäßig zu fragen: Was bringt mich und meine Arbeit weiter? Wo habe ich den größten Hebel, wo kann ich mich sinnvoll einbringen? Und wann ist es auch mal gut?

Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage lautet daher: Es braucht viele Netzwerke – aber nicht für jede:n alle. Wir sollten die Vielfalt an Netzwerken nicht als Problem, sondern als Möglichkeit begreifen. Die Möglichkeit, Menschen auf unterschiedlichen Wegen zu erreichen. Ihnen zu helfen, Anschluss zu finden. Ihre Rolle in der Transformation neu zu definieren. Und die große Aufgabe der Verwaltungstransformation auf mehr Schultern zu verteilen. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Netzwerke, sondern ihre Zugänglichkeit, ihre Passung und ihre Klarheit im Angebot.

Verwaltungstransformation braucht Community. Nicht nur, weil es alleine oft zu schwer ist. Sondern weil es zusammen besser geht.

Dieser Text erschien zuerst im Tagesspiegel Background Smart City.

Gastbeitrag: Zwischen Gesetz und Wirkung klafft eine digitale Lücke

Ein Gesetz ist noch keine Politik. Gute Politik zeigt sich erst, wenn sie bei Menschen und Unternehmen spürbar wird – wenn sie umgesetzt wird. Dafür braucht es eine Verwaltung, die dem parlamentarischen Willen Leben einhaucht. Doch was passiert, wenn genau das nicht mehr zuverlässig gelingt?

Immer häufiger erleben wir, dass politische Vorhaben nur stark verzögert oder gar nicht realisiert werden. Nicht, weil es am Willen fehlt, sondern weil die Verwaltung überfordert ist bzw. wird. Ein zentrales Problem: Politische Entscheidungen werden getroffen, ohne die technische und prozessuale Umsetzbarkeit ausreichend mitzudenken.

„Die Politik verspricht etwas und der Staat liefert nicht.“

Ein aktuelles Beispiel ist die sogenannte „Mütterrente“. Über die politische Bewertung mag man streiten, aber hier geht es um etwas anderes: Die versprochene Leistung kann nicht wie geplant umgesetzt werden. Der Grund? Der Aufwand für die nötigen technischen Änderungen ist immens. Die Deutsche Rentenversicherung trägt daran keine Schuld – im Gegenteil: Sie hat in den letzten Jahren viel in Digitalisierung investiert. Das Problem liegt darin, dass die Gesetzgebung häufig ohne realistische Einschätzung der Systemarchitektur erfolgt. Es geht zu häufig nur um das „Ob“. Das „Wie“ wird politisch oft vernachlässigt.

Solche Fälle bleiben bei vielen Menschen hängen: Die Politik verspricht etwas und der Staat liefert nicht. Besonders fatal ist das bei Vorhaben, die unmittelbar im Alltag der Menschen wirken – sie entlasten sollen. Das Vertrauen in Staat und Demokratie leidet, wenn Zusagen nicht eingelöst werden.

Auch das Klimageld ist ein Beispiel. Während in Österreich die Auszahlung mehrfach problemlos funktioniert hat, hieß es in Deutschland: „Technisch nicht machbar“. Der frühere Bundesfinanzminister Christian Lindner erklärte, man könne nur 100.000 Überweisungen am Tag tätigen. Gleichzeitig laufen im Bankverkehr Echtzeitüberweisungen längst reibungslos. Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick auf die 200-Euro-Einmalzahlung für Studierende: Hier wurde in wenigen Wochen ein funktionierendes Auszahlungsverfahren aufgebaut (nach einer müßigen politischen Diskussion) – allerdings nicht vom Bund, sondern von Sachsen-Anhalt. Diese Lösung wurde vom Bundesfinanzministerium jedoch nicht übernommen.

„Gesetze müssen als Prozesse gedacht und digital abbildbar sein.“

Ein weiteres Beispiel: die Kindergrundsicherung. Auch hier scheiterte das Vorhaben nicht am politischen Willen, sondern an der Umsetzbarkeit. Die geplante Komplexität machte eine digitale oder auch nur effiziente Abbildung im Verwaltungsvollzug nahezu unmöglich. Die Ankündigung, 5.000 neue Stellen zur Umsetzung zu schaffen – während gleichzeitig über 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst unbesetzt sind – machte das Dilemma deutlich. Mehr Geld und Personal reichen nicht, wenn die Prozesse nicht von Anfang an mitgedacht wurden.

Gesetze müssen als Prozesse gedacht und digital abbildbar sein. Es braucht ein digitaltaugliches Recht. Nur so wird Politik wirksam – und Vertrauen erhalten.

Dabei mangelt es nicht an Kompetenz in der Verwaltung. Viele Mitarbeitende wissen sehr genau, wie man Leistungen effizient und rechtssicher umsetzt, wie man Prozesse aufsetzt und IT-Lösungen mit Dienstleistern entwickelt. Doch sie werden zu selten gehört – und meist gar nicht eingebunden.
Wenn demokratisch legitimierte Vorhaben an der Umsetzung scheitern, gefährdet das nicht nur ihre Wirkung. Es gefährdet das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit unseres Staates. Laut einer Studie der Körber-Stiftung haben nur noch 46 Prozent der Menschen großes oder sehr großes Vertrauen in die Demokratie. Laut DBB halten 70 Prozent der Bürgerinnen und Bürger den Staat für überfordert. Der Vertrauensverlust ist real – und er hat strukturelle Ursachen, die auch in der Handlungsfähigkeit des Staates zu suchen sind.

Wer Politik gestalten will, muss Verwaltung mitdenken. Wer Vertrauen erhalten will, muss Umsetzbarkeit sicherstellen. Gute Politik beginnt nicht erst mit der Ankündigung – und endet nicht mit dem Gesetz. Sie zeigt sich erst dann, wenn sie im Alltag der Menschen ankommt. Damit das gelingt, braucht es mehr Realitätssinn, mehr Zusammenarbeit mit der Verwaltung – und den Willen, politische Vorhaben von Anfang an als umsetzbare Prozesse zu denken.

Dieser Text erschien zuerst im Newsletter d.digital der c’t.