Publikation: Nachnutzung in der öffentlichen Verwaltung
Nachnutzung in der Verwaltung bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück
Nachnutzung in der öffentlichen Verwaltung gilt als zentraler Hebel, um die Digitalisierung schneller, effizienter und ressourcenschonender umzusetzen. Unsere neue Studie zeigt jedoch: Obwohl die Wiederverwendung und gemeinsame Nutzung bestehender Lösungen von der Mehrheit der Verwaltungsmitarbeitenden als wichtig eingeschätzt wird, bleibt sie in der Praxis häufig hinter ihren Möglichkeiten zurück.
Auf Basis von 33 qualitativen Interviews sowie einer Befragung von 547 Beschäftigten im öffentlichen Sektor liefert sie erstmals eine umfassende empirische Bestandsaufnahme darüber, wie Nachnutzung in der Praxis funktioniert, welche Hürden bestehen und welche Potenziale bislang ungenutzt bleiben.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass Nachnutzung häufig jenseits formaler Programme entsteht – etwa durch persönliche Netzwerke, direkten Austausch oder bestehende Kontakte zwischen Verwaltungen. Gleichzeitig zeigt sich, dass die strukturellen Rahmenbedingungen oft nicht ausreichend darauf ausgerichtet sind, Nachnutzung systematisch zu fördern.
Zentrale Herausforderungen liegen in der Auffindbarkeit und Vergleichbarkeit bestehender Lösungen, in einer fragmentierten Plattformlandschaft und in komplexen organisatorischen sowie rechtlichen Rahmenbedingungen. Auch fehlende strategische Steuerung, unklare Zuständigkeiten und begrenzte Interoperabilität erschweren die Übertragung und Weiterverwendung digitaler Lösungen. Zudem wird die Nachnutzbarkeit bei der Entwicklung neuer Anwendungen häufig noch nicht konsequent berücksichtigt.
Gleichzeitig identifiziert die Studie zentrale Ansatzpunkte, um Nachnutzung in der öffentlichen Verwaltung strukturell zu stärken. Die Ergebnisse zeigen vor allem bei der Steuerung auf Bundes- und Länderebene sowie bei der Finanzierung Handlungsbedarf: Viele Lösungen entstehen im Projektkontext, ohne dass ihr Betrieb langfristig gesichert ist. Gefragt sind daher stärker Ende-zu-Ende gedachte, nachhaltig betriebene und leicht integrierbare Lösungen. Zudem braucht es den Ausbau zentraler Infrastrukturen: Einheitliche Basisdienste und Komponenten von Bund und Ländern können die Integration neuer Lösungen erleichtern und den Anpassungsaufwand deutlich reduzieren. Aber auch die Verwaltungsmitarbeitenden selbst sind gefragt: Ein maßgeblicher Hebel liegt darin, Nachnutzung im eigenen Arbeitskontext frühzeitig mitzudenken und aktiv zu berücksichtigen – sowohl bei neuen Vorhaben als auch bei der Auswahl und Einführung bestehender Ansätze.
Jetzt die Publikation lesen und erfahren, wie Nachnutzung die Verwaltung effizienter und zukunftsfähiger machen kann.