• 20.07.26
  • Aktuelles

NExT beim RuDiCamp 2026: Viele Räder, wenig Bewegung?

Beim RuDiCamp 2026 drehte sich alles um die Frage, wie Verwaltungstransformation gemeinsam gelingen kann. Auch die Nachnutzung digitaler Lösungen spielt dabei eine zentrale Rolle.

Gute Softwarelösungen gibt es in der Verwaltung viele. Trotzdem wird das Rad häufig neu erfunden. Warum ist das so? Und was braucht es, damit vorhandene Lösungen besser geteilt, angepasst und weiterentwickelt werden können?

© RVR/ Sascha Kreklau

 

In unserer gemeinsamen Session „Viele Räder, wenig Bewegung? Nachnutzung und Kooperation als Schlüssel der Verwaltungstransformation“ mit dem Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) diskutierten wir gemeinsam mit den Teilnehmenden, warum gute Lösungen noch zu selten in die Breite kommen, welche Rolle Open Source bei Nachnutzung einnimmt und was es braucht, damit mehr Verwaltungen nachnutzen.

Nachnutzung: Gute Idee, schwierige Realität

Nachnutzung bedeutet, bereits entwickelte Lösungen, Prozesse oder Konzepte gezielt zu übernehmen, wiederzuverwenden oder gemeinsam zu nutzen. Dabei kann es um eine direkte Übernahme gehen, aber auch um die Anpassung bestehender Lösungen an den eigenen Kontext.

Das Potenzial ist groß: Wenn Verwaltungen auf vorhandene Lösungen zurückgreifen, können sie voneinander lernen, Ressourcen bündeln und schneller zu tragfähigen Ergebnissen kommen. Trotzdem bleibt Nachnutzung in der Praxis häufig hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Die Diskussion im Workshop machte deutlich: Nicht der Wille zur Nachnutzung fehlt. Häufig fehlen die Strukturen, die sie ermöglichen und dauerhaft tragen.

Wo liegen die Hürden?

Zum Einstieg tauschten sich die Teilnehmenden über ihre eigenen Erfahrungen aus. Dabei ging es sowohl um bereits nachgenutzte Lösungen als auch um die Frage, was Verwaltungen davon abhält, überhaupt nachzunutzen.

Die identifizierten Hürden sind vielfältig. Sie liegen nicht ausschließlich in der Technik, sondern auch in organisatorischen und kulturellen Rahmenbedingungen. Dazu kommen Fragen nach Zuständigkeiten, Ressourcen, Finanzierung und der Anpassbarkeit bestehender Lösungen an die eigenen Anforderungen.

Die zentrale Erkenntnis: Eine vorhandene Lösung ist noch keine nachnutzbare Lösung. Damit Nachnutzung gelingt, braucht es mehr als verfügbaren Quellcode oder eine technische Plattform. Lösungen müssen auffindbar, verständlich dokumentiert, anpassbar und langfristig betreibbar sein.

© RVR/ Sascha Kreklau

Gute Lösungen müssen gefunden werden

Weiterhin beschäftigten sich die Workshopteilnehmenden mit der Frage, wie Verwaltungen heute überhaupt auf gute Lösungen anderer Verwaltungen aufmerksam werden.

Die Antwort führt häufig über persönliche Kontakte, Netzwerke und Veranstaltungen. Auch Informationen aus übergeordneten Ebenen spielen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig wurde deutlich: Wer eine Lösung sucht, muss heute oft noch sehr aktiv auf die Suche gehen.

Damit Nachnutzung einfacher wird, braucht es daher bessere Sichtbarkeit und Auffindbarkeit. Lösungen müssen dort auffindbar sein, wo Verwaltungen nach ihnen suchen. Informationen zu Einsatzmöglichkeiten, technischen Voraussetzungen und Erfahrungen aus der Praxis müssen leicht zugänglich sein.

Open Source als wichtiger Baustein

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Rolle von Open Source. Open Source kann wichtige Voraussetzungen für Nachnutzung schaffen: Die Verwaltung kann unabhängiger von einzelnen Anbietern werden, eigene Anforderungen besser einbringen und Lösungen selbst oder gemeinsam mit anderen weiterentwickeln.

Damit kann Open Source einen wichtigen Beitrag zu mehr digitaler Souveränität und Nachnutzung leisten.

Gleichzeitig wurde deutlich: Open Source allein löst die strukturellen Herausforderungen der Nachnutzung nicht.

Auch offene Software braucht Ressourcen für Betrieb, Pflege und Weiterentwicklung. Es braucht Communities, Verantwortlichkeiten und eine langfristige Finanzierung. Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob der Quellcode zugänglich ist, sondern auch, ob eine Lösung in der Praxis tatsächlich genutzt und weiterentwickelt werden kann.

Von Leuchttürmen zu tragfähigen Strukturen

Unser Workshop hat einmal mehr gezeigt: Die Erfahrungen mit Nachnutzung sind vielfältig, ebenso die Hürden. Lösungen werden nicht immer gefunden, obwohl sie existieren, und selbst bekannte Lösungen lassen sich nicht ohne Weiteres in andere Kontexte übertragen.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Wille zur Zusammenarbeit und Nachnutzung vorhanden ist. Entscheidend ist daher, die Rahmenbedingungen zu verbessern: Lösungen müssen sichtbarer und leichter auffindbar werden, Wissen muss besser geteilt und Kooperation langfristig ermöglicht werden.

Die zentrale Erkenntnis unseres Workshops: Nachnutzung braucht gute und offen zugängliche Lösungen, aber auch die passenden Strukturen, damit diese gefunden, geteilt und gemeinsam weiterentwickelt werden können. Open Source kann dabei ein wichtiger Baustein sein.

Wir danken allen Workshop-Teilnehmenden für ihre Bereitschaft, Erfahrungen zu teilen und offen zu diskutieren, sowie dem Regionalverband Ruhr für die Einladung zum RuDiCamp 2026.