• 14.09.26
  • Aktuelles

Souveräne Cloud: Was bedeutet das eigentlich?

Unser Thema bei der zweiten Ausgabe von „Pizza & Verwaltung“

Der Cloud-Bedarf der Verwaltung steigt stark an, doch der Markt wird von außereuropäischen Anbietern dominiert. Geopolitische Risiken wie Datenzugriffe oder Accountsperren durch Drittstaaten-Sanktionen bedrohen die staatliche Handlungsfähigkeit. Am 01. September ging unser Format Pizza & Verwaltung in die zweite Runde. Gemeinsam mit dem DigitalService haben wir im Projekt GovImpact dieses Mal zum Thema Souveräne Cloud eingeladen – mit einem Impuls von Cloudexperte Harald Joos, Cloudbeauftragter der Deutschen Rentenversicherung Bund. Mit dabei waren MdB-Mitarbeitende sowie Mitarbeitende aus Verwaltung und Organisationen der öffentlichen Hand.

Harald Joos, Cloudbeauftragter der Deutschen Rentenversicherung BundDer Umstieg auf souveräne Alternativen ist in der Praxis jedoch erschwert: Europäische Anbieter können aufgrund fehlender Skaleneffekte oft nicht die funktionale Tiefe der Marktführer bieten, und es fehlen IT-Spezialist:innen, um den entstehenden Mehraufwand zu bewältigen. Genau darum geht es in unserem Policy Paper „Souveräne Cloud: Handlungsfähigkeit der Verwaltung stärken“, entstanden im Rahmen unseres Gemeinschaftsprojekts GovImpact gemeinsam mit dem DigitalService. Beim Lunch-Event haben wir die Ergebnisse gemeinsam mit den Gästen diskutiert.

In der Diskussion zeigte sich: Auf politischer Ebene gibt es mittlerweile Bereitschaft, Cloud-Souveränität voranzutreiben – die Cybersicherheitszwischenfälle der letzten Jahre haben zur Priorisierung beigetragen. An der Umsetzung hapert es aber genau an den Stellschrauben, die unser Paper adressiert.

Entsprechend groß war der Anklang für unsere Empfehlungen:

Transparenz & Messung: Die Bundesverwaltung benötigt ein klares Lagebild von Abhängigkeiten – über die Beschaffungsvorgänge des IT-Zustimmungsvorbehalts ressortübergreifend erfasst. Ein Risiko-Stufenmodell priorisiert Migrationen nach Reichweite und Schutzbedarf, etwa mit Fokus auf Arbeitsplätze und KI.

Finanzierung & Unterstützung: Ein zweckgebundener Souveränitätsfonds nach Vorbild des Effizienzfonds soll die Umsetzung finanzieren. Roll-in-Teams gleichen den Fachkräftemangel in lokalen Behörden aus und fördern den Kompetenzaufbau.

Marktsteuerung: Der IT-Zustimmungsvorbehalt muss als Steuerungsinstrument genutzt werden, um den Staat als Ankerkunden für souveräne Anbieter zu positionieren. Bei unvermeidbaren Vergaben an Hyperscaler braucht es technisch geprüfte Exit-Strategien. Offene Standards wie DVC und Sovereign Cloud Stack (SCS) müssen verbindlich durchgesetzt werden.

Kulturwandel: Die Förderung offener Ökosysteme muss strukturell als Erfolg gewertet werden. Dafür braucht es die Umkehr der Begründungspflicht: Nicht der Einsatz souveräner Lösungen, sondern das Eingehen neuer Abhängigkeiten braucht eine zwingende Rechtfertigung.

Hier mehr über „Souveräne Cloud“ erfahren.